Werkel und seine Geschichte, von den Anfängen bis heute.

Die Lage des Ortes

Werkel, seit der Gebietsreform 1972 der viertgrößte der zehn Fritzlarer Stadtteile, liegt
180 m über dem Meeresspiegel auf einem nach Norden zur Ems auslaufenden Schlepphang 3,5 km nördlich von Fritzlar. Zur Gemarkung Werkel gehören 642 ha. z. T. bestes Ackerland. Das bestätigt auch der alte bekannte Spruch: ,, Dorla, Werkel, Lohne Hessenlandes Krone."

Die Deutung des Ortsnamens:
 
Der Name Werkel ist möglicherweise eine Verkleinerung von Werk.
Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Schreibweise mehrfach.
1209 Wercle, 1219 Werkele, 1273 Werkheln, 1436 Werkhil, 1438 Verghel,
1575 Werckell.

Erste urkundliche Erwähnung 1209

In einem Güterverzeichnis des Fritzlarer  St. Peter Stifts aus dem Jahr 1209 welches einer kostbaren Bibelhandschrift dem Codex Adelhardi beigefügt wurde, wird die Werkelgasse erwähnt. Diese besagte Prachtbibel befindet sich im Privatbesitz  der Grafen  von Schönborn in der Schlossbibliothek in Pommersfelden.

Frühgeschichte:
 
Die Anfänge der Siedlung Werkel gehen wahrscheinlich auf das 8. Jh. v. Chr. zurück, was zahlreiche archäologische Funde aus der beginnenden Eisenzeit belegen.
Ein Menhir der " Hilgenstein " aus der Jungsteinzeit etwa 2000 v. Chr. u. der Fund eines Flachgrabes aus der Merowingerzeit etwa 650 n. Chr. sind weitere Zeugen. ( Das Skelett des Kriegers u. die beigefügten Waffen sind im Regionalmuseum Fritzlar zu sehen. )

Geschichte:

In der Mainzer Heberolle, dem Einkünfte Verzeichnis des Erzbistums Mainz das etwa ab 1248 geführt wurde, gibt es zahlreiche Eintragungen die den Ort Werkel betreffen, denn einige Klöster und Privatpersonen waren hier begütert.

Häufig wird Werkel in Verbindung mit Streitfällen zwischen den hessischen Landgrafen und dem Erzbistum Mainz erwähnt. Das wundert nicht denn die Gemarkung Werkel , vor den Toren Fritzlars gelegen ,war oft Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen der beiden Kontrahenten.

  • 1366 versuchte sogar Kaiser Karl IV. die ständigen Fehden der beiden Landesherren zu beenden.
  • 1367  wurde zu Werkel eine Sühne geschlossen, jedoch ohne nennenswerten Erfolg, die Kriegshändel wurden fortgesetzt.
  • 1427  in der Entscheidungsschlacht zwischen Hessen und Mainz wurde Werkel von den Truppen des Erzbischofs niedergebrannt.
  • 1428 wird Werkel ein hessisches Dorf und gehörte danach jahrhundertelang verwaltungsrechtlich zum Amt Gudensberg.
  • Am 1.07.1432 sagte der Landgraf dem Mainzer Erzbischof die Wiederherstellung der Brücke zu Werkel und die Offenhaltung der Reichsstraße nach Fritzlar zu.
  • 1466 brannten Paderborner Söldner Werkel, Möllrich und Züschen nieder.
  • 1506 standen in Werkel wieder 40 Wohnhäuser.
  • 1508 wurde die Kirche wieder aufgebaut.
  • Nach der Reformation übernahmen die Werkeler die Konfession ihres Landesherrn, sie wurden evangelisch u. gehörten etwa ab 1544 bis 1973 zum Kirchspiel Wehren, Dorla und Werkel.
  • 1618 - 1648 Kriegswirren, Pest u. Missernten bestimmten das Leben der Werkeler während des Dreißigjährigen Krieges. Das Dorf war völlig verwüstet.
  • 1639 zählte man in Werkel noch 24 verheiratete Paare u. 6 Witwen.
  • 1708 wurde die Kirche wieder aufgebaut.
  • 1767 nach den schweren Jahren des 7 jährigen Krieges gab es wieder 60 Wohnhäuser.
  • 1875 lebten 478 Werkeler in 66 Wohnhäusern.
  • 1880 wurde die Verkoppelung ( Flurbereinigung ) durchgeführt.
  • 1906 bekamen die örtlichen Haushalte die ersten Wasserleitungen.
  • 1919 erfolgte der Anschluss an das Stromnetz.
  • 1922 war  das erste Radio im Dorf zu hören.
  • 1928 kaufte sich der erste Werkeler Einwohner ein Auto.

Ein trauriges Kapitel der jüngeren Geschichte Werkels diktierte der II. Weltkrieg.
Am 31. März 1945 ( Ostersamstag ) wurde das Dorf nur wenige Wochen vor dem Ende des Krieges als einziger Ort im Schwalm - Eder - Kreis zu 60 % zerstört. Einige letzte überzeugte Endsieger des deutschen Militärs glaubten, ausgerechnet in Werkel, die in Richtung Kassel vorrückenden Amerikaner noch aufhalten zu können. Der unsinnige Befehl: " Dies Dorf wird bis zum letzten Mann verteidigt!" kostete 6 Menschen aus der Bevölkerung, 52 deutschen Soldaten und zahlreichen Amerikanern das Leben. Das halbe Dorf lag in Schutt und Asche und Hunderte von Tieren verendeten qualvoll in den Flammen. Die stehengebliebenen Gebäude waren stark beschädigt. Das weit über die Region hinaus bekannte Wahrzeichen Werkels - der schiefe , 53 1/2 m hohe ( Turm 17 1/2  Turm Helm 36 m ) Kirchturm und das Kirchenschiff wurden ebenfalls ein Raub der Flammen.

Der Wiederaufbau in den Jahren 1946 - 1953 und der Abbruch einiger unversehrt gebliebener alter Fachwerkhäuser in den 60er Jahren veränderten das Dorf vollständig. Nur das alte längst verlassene Storchennest am Ortseingang erinnert noch an das alte Werkel.

1953 hielt das Pantoffelkino seinen Einzug in unser Dorf . Zunächst waren es nur zwei Fernsehgeräte , aber wenige Jahre später war es schon selbstverständlich eine Antenne auf dem Dach zu haben.
 
Heute ist Werkel, bedingt durch die günstige Verkehrsanbindung in Richtung Kassel, Bad Zwesten, Bad Wildungen und die direkte Nähe zu Fritzlar, eine begehrte Wohngemeinde. Neubau Gebiete entstanden am östlichen Ortsrand in den 60ziger Jahren , ab 1970 südwestlich auf der Steinbinge u. am Hilgenstein, in den 90ziger Jahren am Jakobsbörnchen und seit 2001 wird südlich des Dorfes am Ellergarten gebaut.
Anhand von Zahlen lässt sich die stetig wachsende Ausdehnung des Ortes am besten darstellen.
Im Jahr 1950 standen hier 98 Wohnhäuser in 1986 waren es schon 204.
1939 zählte man in Werkel 518 Dorfbewohner
am 31.12.1993  773 Einwohner  und
zum Ende des Jahres 2014 bestand die Bevölkerung aus 818 Personen.

Wichtige Gebäude in Werkel und ihre Geschichte

Die Kirche
Es ist leider nicht bekannt, wann in Werkel die erste Kirche oder Kapelle erbaut wurde. Laut einer Urkunde vom 18. Mai 1254 verleibte der Erzbischof Gerhard von Mainz die ,,capellam in Werckele " dem Hospital in Fritzlar ein.
1466 wurde die Kirche durch Paderborner Söldner zerstört und 1508 wieder aufgebaut. Aus dieser Zeit sind der 17 1/2 m hohe Turm und ein Spitzbogentor auf der Nordseite in der Kirchhofmauer bis heute erhalten geblieben.
Der mit Umfassungsmauer 612 qm große Kirchhof ist einer der ältesten des Chattenlandes und diente bis 1848 als Begräbnissstätte.   
Im 30jährigen Krieg zerstört und 1708 wieder aufgebaut prägte die Kirche mit dem 36 m hohen u. schiefem Turm Helm bis zur Zerstörung 1945 das weithin bekannte Bild des Dorfes. Mit dem Wiederaufbau  wurde 1951 begonnen und schon 1953 fanden die Gottesdienste wieder in der Kirche statt. 1971 nach der gründlichen Renovierung des Turms aus dem Jahr 1508 ( mit z. T. Romanischem Mauerwerk ) wurde das Notdach entfernt und der neue Helm aufgesetzt. Leider ist er nur 5 m hoch und kein bisschen schief.

1957  bekam die Kirchengemeinde  ein großartiges Geschenk,  ein kleines Kirchenfenster im Altarraum. Das Werk des international bekannten Künstlers  und Glasmalers
,, Hans Gottfried von Stockhausen " den  Weltenrichter darstellend, ist der einzige Schmuck  in dem ansonsten hell und schlicht gehaltenen  Kirchenraum. Der Blick der Gottesdienstbesucher fällt schon beim betreten des Kirchenschiffs auf das kleine Fenster hinter dem Altar.

Die Schule wurde Dorfgemeinschaftshaus.

Viele Jahre wurde in dem kleinen Haus neben der Kirche ein Lebensmittelladen betrieben, heute beherbergt es einen Copy Shop. Nach dem 30jährigen Krieg im Jahr 1702 wurde es auf einer herrenlosen wüst gewordenen Brandstätte erbaut, als Schule für die Werkeler Kinder. Nach fast 200 Jahren war der Schulraum viel zu klein und so beschlossen die Gemeindevertreter einen Neubau an der Steinbinge.
1895 zogen die Schulkinder mit ihrem Lehrer in das neue Gebäude ein. Nach einer sehr aufwendigen Sanierung und Modernisierung im Jahr 1959 wurde aus dem dunklen, hässlichen Gebäude das ,, Weiße  Haus " von Werkel.
Eigentlich hat sich der Aufwand nicht gelohnt, denn schon 18 Jahre später nach der Gebietsreform und der nachfolgenden Schulreform wurde die Schule geschlossen und der Ortsbeirat plante den Umbau zum DGH. Am 4. September 1982 konnte das Haus seiner neuen Bestimmung übergeben werden.

Quelle: Anneliese Pachali, Werkel von den Anfängen bis heute.